Abgeschickt von Johannes Stumpf am 12 Maerz, 2002 um 11:31:15:
Antwort auf: alternative Pläne, anderer Standort für Casino von Rudolf Kley am 04 Maerz, 2002 um 15:58:26:
: Bitte um Angabe der Webseiten, wo ich diese Pläne finde und um eine fundierte Kritik des Entwurfes, über den der Rat abstimmen soll.
Die Webadresse mit dem Alternativkonzept lautet http://www.timkapfer.de .
Und nun der Grund, warum es sich bei dem "Entwurf" der Firma Chapman Taylor Brune nicht um (gute) Architektur handelt:
Menschen bemühen sich seit nunmehr mindestens 7500 Jahren, den Raum um Sie herum baulich zu ordnen, diesem Raum Sinn zu geben. Da haben sich ein paar Regeln herausgebildet, die man nicht fahrlässig missachten sollte.
1. Äussere Form und Innere Ordnung sollten beispielsweise in einen Dialog treten. So erwartet der architekturbeflissene Betrachter, eigentlich, daß der vaginal-elliptische Glaskörper, der im Baukörper steckt, seine grundrissliche und/oder baukörperliche Entsprechung im Inneren findet - aber leider vergeblich.
2. Form und Bedeutung sollten in einem Zusammenhang stehen.
Die kleine, der Königstrasse zugewandte (ebenfalls elliptische) Kanzel hätte man noch vor 60 Jahren gern als "Führerbalkon" herangezogen - in Ermangelung derartiger Nutzungen bleibt der Baukörper heute leider nur hohle Phrase...
3. Plastische Volumina von Baukörpern sollten ordnend auf die Umgebung einwirken und räumliche Defizite beseitigen. Auch hier Fehlanzeige bei Chapman Taylor Brune.
Auf der Seite der Landfermannstrasse und des König-Heinrich-Platzes sind die Proportionen unmasstäblich aufgeblasen; zum Averdunk-Zentrum hin wird der schon vorhandene schluchtartige Charakter eher verstärkt.
4. Die Beschränkung auf wenige Formprinzipien bei hoher Varianz ist ein Kennzeichen guter (nicht nur räumlicher) Gestaltung. Beim vorliegenden Entwurf wird dieses Prinzip ins Gegenteil verkehrt. Es wird so ziemlich in jede derzeit gängige Formenkiste gegriffen, jedoch ohne grosse Varianz. Ellipsen, Kreissegmente, Bogenschwünge verdichten sich in Grundriss und Aufriss zu einer aufdringlich plappernden Kakophonie der Beliebigkeit.
Fazit:
Einem Erstsemester-Studenten im Vollrausch könnte man so etwas noch durchgehen lassen, aber mit Baukunst oder gar Baukultur hat dieser Entwurf etwa soviel zu tun, wie eine Sylvesterrakete mit dem Apollo-Projekt.